Tuesday, October 14, 2014

Stockholm II

Nun ist die Zeit in Stockholm vorbei. Irgendwie ist es doch schneller vergangen, als ich gedacht habe. Die letzten Tage waren meine Bein zwar sehr schwer und Füße sehr platt, aber dennoch habe ich jede Minute genutzt und bin durch die Stadt gelaufen. Am Sonntag hat es zwar mittags nur geregnet, aber dennoch war das der Tag, der mich mit Stockholm versöhnt hat. Trotz immer stärker werdendem Regen bin ich auf der Insel Djurgarden spazieren gewesen. Das ist die große Museumsinsel, die aber außer den Gebäuden und einigen Privathäusern komplett aus Wald besteht (die königlichen Pferde werden übrigens dort trainiert). Sehr bunt also (Laubwald) und gerade in diesem Regen gestern sehr schön herbstlich. In meinem Reiseführer hatte ich was von einer Biobäckerei gelesen, die in einem Rosendal (also dem Rosengarten der Insel) ist. Der ist aber ganz am anderen Ende. Ich wollte eigentlich gerade umdrehen, um noch rechtzeitig zu einem Konzert wieder in der Innenstadt zu sein, als ich einen Wegweiser sah. Dem bin ich dann doch nachgelaufen und nach einer Kurve tauchten 3 große Gewächshäuser auf. Die Scheiben waren total beschlagen. In dem einen Gewächshaus befanden sich Sitzplätze, im mittleren ein großer Laden, wo man Blumenzwiebeln und Pflanzen kaufen kann und im dritten eine Bäckerei mit Selbstbedienung. Es gab total leckeren Fair-Trade-Kaffee (nicht der unglaublich saure von Gepa ;)), unzählige leckere Gebäckteile (das Apfelteilchen muss ich unbedingt nachbacken) und sehr fein aussehende warme Gerichte. Dort hab ich mich also mit Kaffee und Teilchen ausgestattet (wurde nett auf Englisch beraten) und mich draußen unter einen Sonnenschirm (naja, also in dem Moment eher Regenschirm) gesetzt und genossen. Danach bin ich noch ein bisschen gebummelt und habe die Atmosphäre dort genossen, bevor ich mich dann doch auf den Rückweg Richtung Stadtinneres machte. Und plötzlich, auf einmal auf dem Rückweg, hab ich gedacht „Das ist es, das ist mein Platz in Stockholm!“ Ich glaube, wo immer ich auch lebe, braucht es einen Ort, an dem ich mich heimisch fühle, an den ich immer zurückkommen kann. In Freiburg war das ganz lang unsere Vauban-WG-Küche, in Vancouver 3rd Beach, in Schonungen der Balkon und in Truro mein Zimmer. Natürlich ist so ein Platz oft abhängig von Menschen, die mit mir dort sind, aber eben nicht immer. Gerade wenn ich alleine unterwegs bin, sind es Ort, die meistens auf den ersten Ort unscheinbar sind, in die ich mich aber mit ganzen Herzen verliebe. Habe ich einmal so einen Ort gefunden, ist alles nur noch halb so schlimm. Dann bin ich zwar immer noch alleine unterwegs, aber ich fühle mich nicht mehr so alleine. Um ehrlich zu sein, am liebsten hätte ich in dem Cafe gestern gefragt, ob ich direkt dort anfangen kann zu arbeiten. Alle Gedanken, die ich vorher hatte, dass ich Stockholm gar nicht richtig genießen kann, dass ich mich allein und fehl am Platz fühle, alles war plötzlich weg. Ich glaube, alle Tage vorher bin ich durch die Stadt gestromert insgeheim auf der Suche nach so einem besonderen Platz. Nun habe ich ihn gefunden und heute morgen sehr versöhnt meine weitere Reise angetreten (trotzdem mag ich nochmal nach Stockholm, dann aber mit jemanden zusammen  Bewerbungen bitte an simone_mue@gmx.de ;)) und tuckere nun gemütlich von Nynäshamn nach Visby und von dort nach Hemse. Ansonsten hier noch ein paar Eindrücke aus Stockholm: - Die Stadt der Läufer! Jede/r joggt durch die Gegend und wenn er/sie das nicht tut, laufen dennoch alle in Laufklamotten durch die Gegend – auch beim Shoppen in der Innenstadt - Die Stadt der Orientierungslosigkeit! Obwohl ich eigentlich einen ziemlich guten Orientierungssinn habe, bin ich doch das ein oder andere mal durcheinandergekommen, auf welcher Insel ich jetzt gerade bin und wo ich eigentlich hin wollte…. - Die Stadt der Royals! Die schwedische Königsfamilie ist überall präsent, natürlich in den Souvenirshops, aber auch auf andere Art und Weise: Mitten im Alltag, wenn man durch die Straßen läuft, begegnet einem die königliche Oper/Bibliothek/Reitstall/Palast/Kirche/Statue/… und das ganz selbstverständlich - Die Stadt der Pseudo-Ampeln! Verkehrssignale gelten für Autofahrer. Nicht aber für Fußgänger. Sobald kein Auto in Sicht ist, wird gelaufen. Egal, ob Kinder, Erwachsene, Omas, keiner kümmert sich drum, ob da grade Rot oder Grün ist - Die Stadt der Parks! Sobald man fünf Minuten läuft, steht man wieder im Grünen, oder Bunten im Herbst, groß oder klein - Die Stadt der offenen Kirchen! Jede Kirche scheint offen zu sein, in vielen gib es oft kostenlose Konzerte. Nahezu alle stehen auf großen Grünflächen, die sowohl als Friedhof, als auch als Durchgang oder Naherholungsgebiet genutzt werden - Die Stadt des kostenlosen WLANs! Egal ob im Zug, am Bahnhof, irgendwo in der Stadt – überall sind die Wellen verfügbar - Die Stadt der Vielfalt! Das ist eigentlich ein Fazit: ein riesiges kulturelles Angebot, Natur und spannende Menschen machen die Stadt definitiv eine Reise wert!

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