Sunday, December 28, 2014

Zwischen den Jahren

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind in meinen Augen eine wunderbare, viel zu oft missachtete Zeit. Zeit zum Durchatmen, Überlegen, Weiterschauen. Was liegt mir am Herzen? Was vom letzten Jahr möchte ich weitertragen und was will ich abgeben, hinter mir lassen? Was habe ich längst verdrängt, wo muss ich vielleicht noch aufräumen? Und wie soll es dann weitergehen? Habe ich feste Pläne für das kommende Jahr oder bin ich offen für das, was kommt? Oder bringe ich gar beides zusammen? Vorausschauend und Spontan müssen sich ja nicht im Wege stehen. auch in diesem Jahr, in dem diese Tage ganz anders sind, weil ich sie nicht Zuhause sondern bei einer lieben Familie von Freunden in Norwegen, ist es diese Zeit, die mich nachdenklich stimmt. Was dabei herauskommt, muss sich noch zeigen, aber bisher ist es auch einfach schön, verschiedene Szenen aus diesem Jahr vor dem inneren Auge vorbeiziehen zu lassen. in diesem Sinne Euch allen ein fröhliches Nachdenken.

Sunday, December 14, 2014

Advent, Advent 3 Lichtlein brennt

Der dritte Adventssonntag - traditionell Friedenslichtsonntag. Allen Pfadfindern wünsche ich heute schöne Aussendungsfeiern und hoffe einfach, dass dieses Licht möglichst viele erreicht und berührt... Hier auf dem hof ist von Weihanchten noch nicht so viel zu spüren und ich erschrecke fast darüber, wie sehr Advent für mich doch verknüpft ist mit so traditionellen Dingen wie schön geschmückten Geschäften, Adventsmusik, das Suchen nach den richtigen Geschenken, Plätzchen backen, usw. Hier wird mir irgendwie bewusst, dass es das ja gar nicht so sehr ist, sondern dass es viel mehr das ist, was wir erwarten. Gestern abend habe ich Sternschnuppen geschaut und ganz sehnsüchtig auf eine gewartet. Und da dachte ich irgendwann, dass es vielleicht so eine Sehnsucht ist, die ich entwickeln will, diese Er-wartungshaltung auf Weihnachten hin. Es war nur so ein kleiner Gedanke, aber irgendwie beschäftigt mich das: Was brauche ich, um zu erwarten, was gehört für mich zu WEihnachten und warum? Sind es Traditionen, die auf das Innere von Weihnachten hinweisen oder eher davon weg?

Wednesday, December 10, 2014

"If there is the right spirit, we can kick out the 'im' from 'impossible' "- Baden Powell

Dieses Zitat von dem Gründer der Pfadfinderbewegung geht mir seit vielen Tagen nicht mehr aus dem Kopf, nicht nur wegen der grandiosen Animation, die ich dazu einmal erlebt habe ;), sondern weil es hier auf diesem Hof gelebt wird. Seit dem letzten Blog habe ich so viel gelernt, bzw. wieder gelernt, oder mal wieder gemacht, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen. Ich bin neben einem Bagger hergelaufen, um einen großen Tank (4 Kubikliter) dorthin zu geleiten, wo er hin musste: in ein großes Loch vor dem WOhnhaus, als Teil eines Sewage-Systems, das gerade eines der Hauptprojekte ist. Da hier Naturschutzgebiet ist, muss eben auch die Abwasser-Entsorgung entsprechend gereglt werden, d.h. durch zwei Teiche und ein langes Rohr-System. Das wiederrum bedeutet gerade eines: Schaufeln, Schaufeln, Schaufeln. Hübsche Kanten in die Teiche schaufeln, den Graben für die Rohre vorbereiten, die Teiche mit Sand und Steinen füllen (Papa, kommt Dir das irgendwie bekannt vor, nur andersrum ;) ?), usw. Das zweite Hauptprojekt ist gerade das Hühnerhaus. Ich weiß (und einige andere bestimmt auch), dass ich nicht über sonderlich große Fähigkeiten in Heimwerkerlichen Dingen verfüge (ich meine, ich kann zwar sägen, Löcher bohren, schrauben, etc., aber spätestens wenn es um Präzisionsarbeiten geht, bin ich echt die Falsche), dennoch sollten wurde ich damit beauftragt, Sitzstangen für ein neues Hühnerhaus zu bauen - also einen Rahmen mit Stangen für die Hennen drauf und einem Brett drunter, auf dem sich die Hühnerk... sammeln soll. Und das Ganze dann bitte noch mit Scharnieren an die Wand, so dass man es zum reinigen rausnehmen kann. Als kleine Anmerkung: Das komplette Hühnerhaus - ein einfaches, kleines Holzhäuschen von ca. 30qm wurde von WWOOFern, dem Farmer und Familie komplett selbst errichtet, was ich ziemlich, ziemlich beeindruckend finde. Für manche Bretter wurden sogar extra im Frühjahr Bäume gefällt, Bretter geschnitten und getrocknet! Dagegen war natürlich diese Hühnerstangen-Geschichte ein Klacks, könnte man denken... dennoch habe ich ungefähr 3 Tage mit wechselnder Hilfe durch andere WWOOFer gebraucht, um das fertig zu bekommen. Gestern Abend dann der erhebende Moment: es hängt! Zwar nciht schön, aber selten ;) Abgesehen davon habe ich am Wochenende mir auch selbst beigebracht, weihnachtliche Türkränze ohne Strohrohling innendrin zu binden, gestern das erste Stück des neuen Sewage-Systems angeschlossen (auf Deutsch: Rohre verlegt), am Samstag einen kleineren Traktor mit einem RIESIEGEM Heuanhänger voller Tannengrün auf einen Weihnachtsmarkt ca. 5km von hier weg gefahren (das waren ganz schön viele Stoßgebete, dass mir auf dem einspurigen Feldweg hier niemand entgegenkommt!!!) und gerade- also ziwschen den ersten 10 Zeilen dieses Blogeintrags und dem Rest - vier Lämmer eingeschweißt. Um den Bogen zum Anfang zu schlagen: Bei den meisten der hier aufgeführten Aufgaben dachte ich am Anfang "unmöglich - impossible". Der Farmer hier, Stefan wendet bei seinen WWOOFern konsequent die Learning -by-Doing -Methode an, d.h. wir kriegen eine Erklärung, was wir tun machen sollen und wofür es gut sein soll, das WIE bleibt aber meistens eher im Drüben. Aber die Methode funktioniert gut, wie ich mehr und mehr merke. Und auch, dass es einen Unterschied gibt zwischen "Unmöglich zu tun" und "Schwierig zu tun". Bisher waren alle DInge irgendwie lösbar, manchmal mit viel Geduld und Spucke, und öfters mal dem Geühl purer Überforderung, aber später immer mit dem Wissen und genialen, wirklich süchtig machenden Gefühl von "Ich hab's geschafft und was gelernt!". In diesem Sinne gehe ich jetzt mal füttern und misten, denn auch Routine gehört hier zum Alltag...

Saturday, November 29, 2014

Traktor faaaahhhhhrrrn :)

Nun bin ich schon bald wieder eine ganze Woche in Skandinavien... Letzten SOnntag Abend sind zwei Freundinnen und ich durch die Nacht nach Kopnehagen gefahren. Zwei Tage später gings weiter nach Malmö und dann nach Göteborg. Von dort musste ich leider viel zu früh weg, um auf meinen nächsten Hof zu kommen. Die Städte waren sehr unterschiedlich, aber haben mir alle total gut gefallen. Kopenhagen war sehr weihnachtlich und trotz der Großsstadtatmosphäre sehr hyggelig :) (Wer das WOrt nicht kennt, sollte Dänemark mal einen Besuch abstatten) Malmö ist viel kleiner, aber auch nicht unspannend: Ein großes neues Hafenviertel trifft auf 70er Jahre EInkaufsmeile und große internationale Szene. In Göteborg war ich leider viel zu kurz, habe aber so gute Luft geschnuppert, dass ich unbedingt nochmal hinwill! Die Aussicht, das Wasser, viele kleine Läden, tolle Weihnachtsbeleuchtung... einfach zauberhaft. Am Freitag vormittag bin ich dann weitergefahren ins Landesinnere (Diö, wer es googlen will) und nun befinde ich mich mal wieder auf einer Insel :) Diesmal allerdings in einem See und man hat auch gar nicht so sehr gemerkt, dass man gerade vom Festland auf die INsel fährt, weil das alles hier eine große Seenlandschaft ist. Hier ist es so ganz anders als auf dem letzten Hof: 5 WWOOFer, wir teilen uns ein eigenes kleines Häuschen. Tiere gibt es hier ziemlich viele, 4 Ponies (die sehen aus wie Miniaturpferde), mind. 12 Kühe, 3 Kälber, einige Kaninchen, viele Hühner, 4 Gänse, 2 Enten, 2 Katzen, einige SChafe und Lämmchen und noch 3 SChafsböcke... Womit wir beim nächsten Thema wären: Ganz im Gegenteil zu meinem letzten Hof werden die Tiere hier zwar nicht weniger geachtet und geschätzt, aber eben auch geschlachtet oder verkauft. Gerade hängen 2 Kaninchen in der SCheune und morgen kommen die Böcke zum Schlachten, was, wenn es nur einer wäre auch einfach hier gemacht würde. Ich finde das ziemlich spannend und der ganze Prozess mutet ziemlich natürlich an: man lebt gemeinsam mit den Tieren, kümmert sich um sie und letzenendes sterben sie eben und haben danach noch einen Nutzen. Also, alles anders, aber alles dennoch gut. Zu guter Letzt: heute hat sich ganz von selbst ein Kindheitstraum erfüllt: ich bin TRAKTOR gefahren :) :) :)

Wednesday, November 19, 2014

Kurzer Zwischenstopp

Falls sich die Eine oder der Andere gewundert haben sollte, dass ich in der letzten Zeit so gar nix mehr von mir hören habe lassen, hier die Erklärung: Wegen sich häufender Anlässe habe ich einen kurzen Zwischenstopp zuhause eingelegt, bevor ich auf den nächsten Hof gehe. Der liegt ganz in der Nähe von dem Ort, den wir mit 200 Pfadis und rovern 2011 besucht haben: 50km entfernt von unserem damaligen Zeltplatz Blidingsholm liegt der Hof in Diö und ich bin sehr gespannt, was mich dort erwarten wird. Zuvor aber freu ich mich noch auf eine ganz besondere Premiere, die es vllt. schon viel früher hätte geben sollen: zwei meiner engsten Freundinnen werden mich auf dem Hinweg begleiten, und wir werden je einen kurzen Stopp in Kopenhagen, Malmö und Göteborg einlegen, bevor die zwei zurck fliegen und ich weiterWWOOFe. Zwar haben wir drei schon so einige Zeltlager zusammen gemeistert, zig Wochenenden zusammen verbracht, aber so richtig Urlaub - das gabs noch nie! Aber ich freu mich total, denn das gemeinsame Ziel wurde erklärt: so entspannt wie möglich möglichst viel von der WEstküste sehen :) In diesem Sinne gehe ich jetzt mal Rucksack-Packen! Achja, bitte haltet uns doch die Daumen, dass die Bahn ihre elendigen Streiterein am Freitag beilegt, sonst prognostiziere ich nämlich schonmal ein Datum für den nächsten Bahnstreik: 23.11./ 24.11 2014!

Thursday, October 30, 2014

„Das Leben ist schön!“

Genau das dachte ich heute Mittag, als ich am 30. Oktober (also quasi fast November) hier auf einer schwedischen Terrasse saß, mein Gesicht und meine Arme in die Sonne hielt, Stricksachen auf dem Schoß und eine Tasse guten, süßen Espresso in der Hand. Achja, vor mir grasten drei Schafe, ein Pferd streckte den Kopf um die Ecke und eine Katze gesellte sich zu meinem Strickzeug. Meine letzte Woche auf Gotland lässt sich also sehr gut an. Die letzten Tage hatten wir viel Sonne und heute hat tatsächlich auch mal der Wind aufgehört, alles durch die Gegend zu blasen. Zwar wird es tatsächlich schon ab 15.00 Uhr dämmrig, aber mit Kamin und einer kuscheligen Katze sind auch die Abende sehr gut zu ertragen. Oder man vertreibt sich die Zeit einfach damit, Kanelbullar zu machen, so wie wir gestern – sehr, sehr, sehr lecker! Ansonsten verbringe ich gerade viel Zeit mit den Tieren, bzw. zumindest bei ihnen. Der Wallach hat sich eine böse Wunde zugezogen, die wir momentan täglich versorgen und auch so waren wir viel bei den „Jungs“ (die sich zu zweit 8 Hektar Wiese teilen!!!) und haben dort mal ordentlich gemistet. Ansonsten reißen wir geduldig Beifuß aus, kraulen kuschelbedürftige Pferde, sammeln Hagebutten oder arbeiten mit der Wolle. Das heißt dann kardieren, also Wolle kämmen oder filzen. Momentan geht die Zeit wie im Flug vorbei! Kaum zu glauben, aber am kommenden Mittwoch verlasse ich diesen Hof schon wieder. Die erste Woche hat sich ziemliche gezogen (mit schlechtem Wetter und dauerndem Umgraben), aber inzwischen fliegen die Tage nur so vorbei. Dabei muss ich aufpassen, dass ich es auch einfach genieße. Gerade beim Unkraut rupfen denkt man öfter „Boar, ist das ätzend“, oder abends „Wuaaaah, ist das kalt“. Wenn dann aber über dem Kirchturm von Rone die Sonne den Himmel orange anmalt, oder ihre Strahlen ganz besonders durch die Wolken schickt, so dass man glaubt, die einzelnen Lichtkegel zählen zu können, es im ganzen Haus nach Zimt riecht, ein wunderschöner Hengst auf einen zugetrabt kommt, ist es an der Zeit, auch einfach mal „Ist das schön!“ zu denken.

Monday, October 20, 2014

EIn Hof wie Katthult, oder so ähnlich

… nun wollen wir uns an das halten, was geschah, als Simone gar nicht mehr so klein war und auf dem Hof „Arche Noah“ in der Gemeinde Rone auf Gotland wohnte mit derjenigen, der der Hof gehört, Rita. Auf Der Arche Noah hatten sie auch noch zwei andere Freiwillige, eine aus Österreich, die Mara hieß und eine aus Dresden, die Lisa hieß. Denn zu der Zeit, als Simone dort war, gab es viele Freiwillige WWOOFer. Sie gruben um und versorgten die Pferde und anderen Tiere, sie kümmerten sich das Heu und bereiteten das Gemüseland vor, sie verarbeiteten die Produkte und putzten und sangen sich gegenseitig etwas vor. Nun wisst Ihr, wer auf der Arche Noah wohnte: Besitzerin Rita, Mara Lisa. Außerdem sechs Pferde, drei Schafe und zwei Katzen. Und dann Simone. Die Arche war ein kleiner alter Hof mit einem blaugestrichenen Haus, das zwischen Apfelbäumen und Flieder auf der flachen Insel Gotland lag. Rund herum gab es Äcker und Wiesen und Haine, etwa 5 km weiter das Meer und mehrere kleine Wälder. Es war richtig ruhig und friedvoll, denn leider gab es hier keinen Michel, der Quatsch machte. Wenn Du aber jemals auf so einem Hof wie der ARche gewesen bist, dann weißt Du, dass sich dort ganz schön viele Häuser drängeln. Man kriegt (vielleicht) Lust, Verstecken zu spielen, sobald man dorthin kommt. Auf der ARche gab es nicht nur eine SCheune und einen Stall für die Pferde und die Schafe und einen weiteren Offenstall und einen weiteren SChafstall, sondern auch noch eine (kleine) Menge anderer kleiner Häuser und SChuppen. … Und wenn Du jemals auf so einem Hof gewesen bist, dann weißt Du, dass es dort ganz schön viel Arbeit gibt. Und die packen wir fleißig an: Die Wassertonnen werden täglich per Hand geleert, das Gemüsebeet für nächstes Jahr ist schon bald fertig umgegraben, kleine Plastikteile aus dem Heu gefischt und viele Hagebutten für die Pferde gesammelt. Außerdem haben wir begonnen, Stuhlkissen aus Schafswolle zu filzen. Das Ganze nennt sich so was wie „vegane Felle“, denn es sieht aus, wie ein gewöhnliches Schafsfell von einem geschlachteten Schaf, wird aber eben nur mit abgeschorener Wolle hergestellt (wer mehr wissen will: http://archenoahgotland.wordpress.com/wool-handicraft/) Am Wochenende haben wir einen Ausflug ans Meer gemacht und waren in Hemse in der Kirche. Total schön! Ansonsten gestaltet sich das Zusammenleben hier sehr beschaulich, besonders an das frühe Zubett-Gehen muss ich mich noch gewöhnen (10 Stunden Schlaf die Nacht bin ich einfach nicht mehr gewöhnt). Alles ist ganz einfach, aber so langsam gewöhne ich mich daran. Das Stricken habe ich wieder entdeckt und verbringe viel meiner Freizeit mit den Pferden (in den Hengst habe ich mich Hals über Kopf verliebt). Es ist total schön, wie Rita uns hier in ihre Planungen einbindet und wir gemeinsam überlegen, was eine Vermarktungsstrategie für ihre Produkte sein könnte. Es ist wirklich alles handgefertigt. Die Wolle wird kardiert (also gebürstet) und dann verwendet, um die Felle herzustellen. Wer mal per Hand Wolle ausgebürstet hat, weiß, dass das einiges an Arbeit ist. Am Donnerstag wollen wir vielleicht mal nach Visby, der Hauptstadt der Insel, um ein bisschen zu shoppen und ein bisschen Tourist-Kram zu sehen ;)

Tuesday, October 14, 2014

Stockholm II

Nun ist die Zeit in Stockholm vorbei. Irgendwie ist es doch schneller vergangen, als ich gedacht habe. Die letzten Tage waren meine Bein zwar sehr schwer und Füße sehr platt, aber dennoch habe ich jede Minute genutzt und bin durch die Stadt gelaufen. Am Sonntag hat es zwar mittags nur geregnet, aber dennoch war das der Tag, der mich mit Stockholm versöhnt hat. Trotz immer stärker werdendem Regen bin ich auf der Insel Djurgarden spazieren gewesen. Das ist die große Museumsinsel, die aber außer den Gebäuden und einigen Privathäusern komplett aus Wald besteht (die königlichen Pferde werden übrigens dort trainiert). Sehr bunt also (Laubwald) und gerade in diesem Regen gestern sehr schön herbstlich. In meinem Reiseführer hatte ich was von einer Biobäckerei gelesen, die in einem Rosendal (also dem Rosengarten der Insel) ist. Der ist aber ganz am anderen Ende. Ich wollte eigentlich gerade umdrehen, um noch rechtzeitig zu einem Konzert wieder in der Innenstadt zu sein, als ich einen Wegweiser sah. Dem bin ich dann doch nachgelaufen und nach einer Kurve tauchten 3 große Gewächshäuser auf. Die Scheiben waren total beschlagen. In dem einen Gewächshaus befanden sich Sitzplätze, im mittleren ein großer Laden, wo man Blumenzwiebeln und Pflanzen kaufen kann und im dritten eine Bäckerei mit Selbstbedienung. Es gab total leckeren Fair-Trade-Kaffee (nicht der unglaublich saure von Gepa ;)), unzählige leckere Gebäckteile (das Apfelteilchen muss ich unbedingt nachbacken) und sehr fein aussehende warme Gerichte. Dort hab ich mich also mit Kaffee und Teilchen ausgestattet (wurde nett auf Englisch beraten) und mich draußen unter einen Sonnenschirm (naja, also in dem Moment eher Regenschirm) gesetzt und genossen. Danach bin ich noch ein bisschen gebummelt und habe die Atmosphäre dort genossen, bevor ich mich dann doch auf den Rückweg Richtung Stadtinneres machte. Und plötzlich, auf einmal auf dem Rückweg, hab ich gedacht „Das ist es, das ist mein Platz in Stockholm!“ Ich glaube, wo immer ich auch lebe, braucht es einen Ort, an dem ich mich heimisch fühle, an den ich immer zurückkommen kann. In Freiburg war das ganz lang unsere Vauban-WG-Küche, in Vancouver 3rd Beach, in Schonungen der Balkon und in Truro mein Zimmer. Natürlich ist so ein Platz oft abhängig von Menschen, die mit mir dort sind, aber eben nicht immer. Gerade wenn ich alleine unterwegs bin, sind es Ort, die meistens auf den ersten Ort unscheinbar sind, in die ich mich aber mit ganzen Herzen verliebe. Habe ich einmal so einen Ort gefunden, ist alles nur noch halb so schlimm. Dann bin ich zwar immer noch alleine unterwegs, aber ich fühle mich nicht mehr so alleine. Um ehrlich zu sein, am liebsten hätte ich in dem Cafe gestern gefragt, ob ich direkt dort anfangen kann zu arbeiten. Alle Gedanken, die ich vorher hatte, dass ich Stockholm gar nicht richtig genießen kann, dass ich mich allein und fehl am Platz fühle, alles war plötzlich weg. Ich glaube, alle Tage vorher bin ich durch die Stadt gestromert insgeheim auf der Suche nach so einem besonderen Platz. Nun habe ich ihn gefunden und heute morgen sehr versöhnt meine weitere Reise angetreten (trotzdem mag ich nochmal nach Stockholm, dann aber mit jemanden zusammen  Bewerbungen bitte an simone_mue@gmx.de ;)) und tuckere nun gemütlich von Nynäshamn nach Visby und von dort nach Hemse. Ansonsten hier noch ein paar Eindrücke aus Stockholm: - Die Stadt der Läufer! Jede/r joggt durch die Gegend und wenn er/sie das nicht tut, laufen dennoch alle in Laufklamotten durch die Gegend – auch beim Shoppen in der Innenstadt - Die Stadt der Orientierungslosigkeit! Obwohl ich eigentlich einen ziemlich guten Orientierungssinn habe, bin ich doch das ein oder andere mal durcheinandergekommen, auf welcher Insel ich jetzt gerade bin und wo ich eigentlich hin wollte…. - Die Stadt der Royals! Die schwedische Königsfamilie ist überall präsent, natürlich in den Souvenirshops, aber auch auf andere Art und Weise: Mitten im Alltag, wenn man durch die Straßen läuft, begegnet einem die königliche Oper/Bibliothek/Reitstall/Palast/Kirche/Statue/… und das ganz selbstverständlich - Die Stadt der Pseudo-Ampeln! Verkehrssignale gelten für Autofahrer. Nicht aber für Fußgänger. Sobald kein Auto in Sicht ist, wird gelaufen. Egal, ob Kinder, Erwachsene, Omas, keiner kümmert sich drum, ob da grade Rot oder Grün ist - Die Stadt der Parks! Sobald man fünf Minuten läuft, steht man wieder im Grünen, oder Bunten im Herbst, groß oder klein - Die Stadt der offenen Kirchen! Jede Kirche scheint offen zu sein, in vielen gib es oft kostenlose Konzerte. Nahezu alle stehen auf großen Grünflächen, die sowohl als Friedhof, als auch als Durchgang oder Naherholungsgebiet genutzt werden - Die Stadt des kostenlosen WLANs! Egal ob im Zug, am Bahnhof, irgendwo in der Stadt – überall sind die Wellen verfügbar - Die Stadt der Vielfalt! Das ist eigentlich ein Fazit: ein riesiges kulturelles Angebot, Natur und spannende Menschen machen die Stadt definitiv eine Reise wert!

Thursday, October 9, 2014

Stockholm I

WOW! Was für eine Stadt - nach ca. 1.5 Tagen hier wird es Zeit für einen kurzen Bericht: Zunächst einmal fällt mir auf, dass ich vollkommn falsch gekleidet bin - mit grünen Chucks, Jeans und grüner Softshell-Jacke hätte ich mir auch direkt ein Schild mit "deutsche Touristin vom Lande" auf die Stirn kleben können. Der Rückschluss, dass - weil Schweden ja so ein berühmtes Outdoor-Land ist - Stockholm die Hauptstadt der Outdoor-Menschen ist, war ein kleiner Trugschluss. Stockholm ist vor allem - riesig, modern, und unglaublich modisch! Dass mir das so ins Auge fällt und mir dauert durch den Kopf geht, dass ich hier rein äußerlich gar nicht reinpasse, verwundert mich, aber so ist das eben. Morgen gibts zumindest mal ne neue Tasche - die tolle bunte Tragetasche ist zwar praktisch, aber sonst auch nix ;) Ansonsten ist Stockholm ziemlich gigantisch - tolle Architektur, viele Menschen, unglaublich viel Grün und Wasser! Ich war bisher fast nur zu Fuß unterwegs und bin einfach durch die Stadt gestromert und habe die Atmosphäre genossen. Dabei in ich in drei Kirchen geraten und in allen war Musik zu hören: in der einen, der Klara Kyrka scheint es mittags immer ein Treffen für Obdachlose und Mittagsmusik zu geben - unglaublich warmherzig und man spürte das "vällkommen"! In der St Jacobs Kyrka gab es wunderbare Orgelmusik, die sogar mich als Banause begeistert hat. Und in der dritten, deren Namen ich vergessen habe, hat die Organsiten für das anstehende Abendgebet geübt. Irgendwie beindruckend, wie offen diese Kirchen sich präsentiert haben. Und ich komme ins Nachdenken, nicht nur in den Kirchen, sondern auch beim einfachen Gehen durch die Stadt. Vor 4 Jahren war ich in Vancouver - dort habe ich die Zeit alleine unglaublich genossen, immer wieder gerne den gleichen Smalltalk im Hostel angefangen "Where are you from, what are you doing here, ...?". Heute wünsche ich mir oft jemanden, der(die hier mit mir ist, der/die mich schon kennt, wo man die Fragen überspringen und gemeinsam die Stadt erleben kann. Ich kann es noch, das alleine Reisen, aber gerade erfüllt es mich nicht mehr so und ich bin froh, wenn ich am Montag auf die erste Farm komme- Wenn ich wirklich mit jemandem gemeinsam leben, reden und lachen kann. Gerade fühle ich mich ein bisschen wie in Schweigeexerzitien: Gut, aber abwartend. Oder hat jemand Lust, übers Wochenende spontan nach Stockholm zu kommen?!

Tuesday, October 7, 2014

Uuuuuuund LOS ?!

Auf nach Schweden! Ein halbes Jahr Auszeit von der Uni, ein halbes Jahr mal ganz was anderes sehen. Los geht's in Stockholm, bevor ich dann nach Gotland weiterfahren werde, um dort auf einem Gnadenhof mitzuarbeiten. Gespannt bin ich aber zunächst mal, ob heute Abend mein Zug fährt - Bahnstreik-Beginn = 21.00 Uhr, geplante Abfahrtszeit= 21.04 Uhr --> Daumendrücken! Und dann, ja dann bin ich vor allem mal wieder darauf gespannt, wie das ist, irgendwo anzukommen, wo ich erstmal niemanden kenne. 2014 war bisher sehr intensiv, ich habe viel Zeit mit guten Freunden verbracht und nur wenige neue Leute kennen gelernt - deshalb ist die Frage vielleicht gar nicht so unberechtigt - kann ich das überhaupt noch? Fest steht, dass ich mich wahnsinnig freue, raus aus allem, und Meeresluft um die Nase - Die Öresundbrücke, Stockholm, die Fähre nach Visby - alles ganz neue Orte! Deshalb schultere ich in ein paar Stunden meinen Rucksack (wie kann man nur so viel Kram brauchen?!) und los geht's!